Regeln Brechen

Ich akzeptiere die Prinzipien und hasse die Regeln

Henri Cartier-Bresson

Für diese Beitragsreihe setze ich mir folgendes Ziel: Von den Besten lernen)) Denkt bitte an den Like!

Diesmal eine Aufnahme von Sebastião Salgado (1944). The Outskirts of Guatemala City 1978, aus der Reihe: “ Other Americas“. Dieses Bild wirft das ganze „ABC eines guten Fotos“, dass man im Internet finden kann, über den Haufen. Salgado nutzt die bekannte Regel des Framings auf eine völlig unvorstellbare Art.

Sebastião Salgado ist ein großartiger Fotograf. Ich empfehle jedem sein vielfältiges Werk entweder im Internet oder einem seiner vielen Bildbände anzuschauen.

#Komposition

Die Komposition teilt den Raum in zwei separate Universen. Dadurch entstehen tatsächlich zwei Bilder, die sich letztendlich dennoch zu einem Bild kombinieren. In der Mitte des Bildes erscheint auf den ersten Blick nichts Interessantes: Wir sehen Bretter, dem Betrachter wird der Blick auf die Welt dahinter verwehrt, auch wird das Bild dadurch in zwei Teile geteilt. Aber lassen wir unseren Blick zu beiden Seiten der Mitte schweifen, entdecken wir zwei Figuren, ein Mädchen im linken Teil des Bildes und eine Frau im rechten Teil und Dank des Blicks der Frau verbinden sich die zwei Teile zu einem gesamten Bild. Denn würde die Frau nicht zum Mädchen schauen sondern genauso wie diese direkt den Betrachter anschauen, würde dem Betrachter der Impuls fehlen seinen Blick zwischen beiden Personen wandern zu lassen. Die diagonale Blickrichtung der Frau bringt uns zum eigentlichen Schwerpunkt des Bildes – dem Mädchen.

#Glückstreffer?

Sebastião Salgado bezeichnet selber dieses Foto als einen Glückstreffer. Er wollte gerade die Frau im Fensterchen fotografieren, als ein Mädchen mit kandierten Äpfeln vorbei kam.
Sicher entstand nicht nur das eine Foto, sondern er machte einige Aufnahmen dieser Szene, aber ausgewählt hat er exakt dieses Foto. Nicht einfach so. Den Glückstreffer zu erkennen, bedarf viel Erfahrung, und um dabei die Regeln der klassischen Bildkomposition zu brechen bedarf es viel Mut.

Diesen Mut wünsche ich jedem, ob er Fotograf ist oder nicht.

Literatur:
Popular Photography Jan.-Nov. 1991
Vortragsreihe „Regie den Bildes“ Sasha Manovceva
Bild:
Internet