Sarah Moon, das Spiel mit der Zeit

„Fotos von Sarah Moon sind wie die Gemälde der Impressionisten, manchmal melancholisch und sogar gruselig, anziehend und schwer erforschbar“
So ungefähr werden die Fotografien von Sarah Moon am häufigsten beschrieben. Um der Sache wieder auf den Grund zu gehen, möchte ich wissen, warum die Bilder von Sarah Moon so ziemlich viele Betrachter genau genommen „fesseln“.
Es ist bekannt, dass französische Fotografin und Filmemacherin, Sarah Moon, geb. 1941 mit einer Sofortbildkamera arbeitet. Sie schafft durch bewusste technische Unzulänglichkeit, Zuschnitt, Doppelbelichtung, Montage ihre traumartigen Projektionen.

Komposition und Geometrie

Jedes Bild, egal wo es sich befindet (im Fotobuch, im Film, in Ihrem Fenster) lebt von seiner geometrischen Anordnung, die, ob sie gut oder weniger gut ist, unsere Wahrnehmung beeinflusst und bestimmte Gefühle und Emotionen hervorruft.

Das Bild mit dem Schirm hat viele Rhythmische Nuancen. Zu allererst sehen wir das große Dreieck – den hellen Unterrock, das dem oberen hellen Dreieck des Ausschnitts gegenüber liegt, dann die Ecken der Taille. Wir verspüren einen bestimmten Rhythmus… Wir sehen den Regenschirm, er unterbricht diesen Tanz der hellen Dreiecke und verschafft dem Bild die unglaubliche Dynamik.

Ja, eigentlich ist der Rhythmus eine sehr gute Sache im Bereich der Komposition, sowohl in Musik, als auch im Bild, aber ohne Unterbrechung oder sogar Störung wäre das Foto uns zu monoton und wir würden es einfach nur umblättern.


Verschlusszeit

Ich möchte unbedingt die Wirkung von der Langzeitbelichtung betonen. Wenn Sie sich die Ränder der Bekleidung und des Regenschirms genau ansehen, entdecken Sie die doppelte und dreifache Kontur. Höchstwahrscheinlich ist dies eine Bewegung des Modells während der Verschlusszeit.

Es ist spannend zu beobachten, wie Schwarz sich mit dem Hintergrund vermischt und verschiedene grün Töne aufweist. Die Grenzen zwischen kontrastierenden Elementen werden weicher, sie bekommen Gradient. Aufgrund dessen erhält eine vollständig geometrische Geschichte die Integrität und einen reibungslosen Übergang aller Verbundelemente von einem zum anderen.

Entdeckung

Zum Schluss bekam ich Lust, das Bild in Flecke und Linien zu trennen, so lässt sich die Geometrie besser betrachten. Ich erschrak ein wenig, als ich „Gaußscher Filter“ in Photoshop anwendete. Die Figur verwandelte sich plötzlich in eine strenge Dame mit Hosenanzug.
Ich bin überzeugt, dass unser Bewusstsein, auch ohne dieser Manipulationen wusste, dass etwas spannendes in dem Bild steckt.


Fazit: Frage der Zeit

Sarah Moon spielt mit dem Konzept der Zeit. Ich denke, das ist wichtig, um ihre Werke zu verstehen.
Es gibt einen solchen Ausdruck – „gefangener Augenblick“. Er wird oft in Bezug auf die Fotografie verwendet. Aber über die Fotografien von Sarah Moon zu sagen, dass sie den Augenblick gefangen hat, ist völlig unmöglich.
Durch eine lange Belichtung spricht Sarah Moon mit dem Betrachter über die Zeit. Sie hat diesen Moment begonnen und ihn bis Unmögliche ausgedehnt.
Es erscheint mir als wäre es eine Art Spiel mit Zeit und Raum, das Sarah Moon mithilfe dieser verschiedenen technischen Methoden erschafft.
Noch mehr Bilder von Sarah Moon kann man unter #sarahmoonphotografie auf Instagram oder im Internet finden und sich inspirieren lassen. Hier sind meine mysteriöse Lieblinge: