Kategorie: Frauen

1. Festival. „Lasst uns Frau sein“ in Dresden.

Im September 2020 fand das 1. Festival „Lass uns Frau sein“ statt und… ich war dabei, glücklicherweise.

Als ich mich angemeldet habe, ich muss gestehen, ich habe mir vorgenommen keine Erwartungen und Ziele zu machen, um eventuell nicht enttäuscht zu sein. Ich war dennoch in Vorfreude, früher hatte ich bereits gute Erfahrungen gesammelt, dort, wo viele verschiedene Frauen für die kurze Zeit zusammen kommen, könnte es zu einem vielfältigen und erfüllenden Austausch kommen.

Naja, was soll ich sagen, ich war alles anderes als enttäuscht. Viele Themen, sensible, aktuelle, meist verschwiegene, wurden angerührt, neues ausprobiert. An diesem ungewöhnlichen Tag, kam ich mit Inhalten in Berührung, über die ich noch nie gehört habe, wie zum Beispiel, das Waldbaden, Slow Sex und Tantra, puh… ich vergas alles Stress und Kummer, der letzten Tage, Wochen, Monate da draußen.

Es knisterte schon bei der ersten Gesprächsrunde, die Energie, die Luise Fiedler durch ihre Emotionen in den Gang gesetzt hatte, haben sofort alle Frauen in der Runde aufgenommen und weitergegeben, ich bin immer noch fasziniert über dieses Erlebnis. Wo ich jetzt darüber nachdenke, merke ich, dass diese Erinnerung bereits jetzt zu einer der Kostbarkeiten meiner Vergangenheit wird.

Am diesen Tag erlebte ich oft ein Gefühl geborgen zu sein, ich empfand es als sehr erfüllend unter anderen Frauen zu sein, meine Ängste, plötzlich teilen zu dürfen, meine Empathie einfach aussprechen zu können, meine Weiblichkeit ausleben zu dürfen.

Unter uns Frauen war es wunderbar, sich öffnen, zuzuhören, angenommen zu sein. Ich bin sehr dankbar für die Möglichkeit vielleicht jemanden Mut gemacht zu haben, Zuwendung und bedingungslose Liebe zu ausstrahlen zu dürfen.
Ja, manches fühlte sich wie ein „falscher Film“, aber ein unerwartet guter und ausgesprochen amüsanter Film.

Deshalb, herzlichen Dank Luise Fiedler und anderen Mitgestalterinnen dieses Festivals „Lasst uns Frau sein“!

PS. Luise, das Lied zu diesem Festival summe ich hin und wieder, sehr treffliche Melodie und Refrain. Ich hoffe, du findest einen Weg das Lied auf eine professionelle Art und Weise aufzunehmen.

Sarah Moon, das Spiel mit der Zeit

„Fotos von Sarah Moon sind wie die Gemälde der Impressionisten, manchmal melancholisch und sogar gruselig, anziehend und schwer erforschbar“
So ungefähr werden die Fotografien von Sarah Moon am häufigsten beschrieben. Um der Sache wieder auf den Grund zu gehen, möchte ich wissen, warum die Bilder von Sarah Moon so ziemlich viele Betrachter genau genommen „fesseln“.
Es ist bekannt, dass französische Fotografin und Filmemacherin, Sarah Moon, geb. 1941 mit einer Sofortbildkamera arbeitet. Sie schafft durch bewusste technische Unzulänglichkeit, Zuschnitt, Doppelbelichtung, Montage ihre traumartigen Projektionen.

Komposition und Geometrie

Jedes Bild, egal wo es sich befindet (im Fotobuch, im Film, in Ihrem Fenster) lebt von seiner geometrischen Anordnung, die, ob sie gut oder weniger gut ist, unsere Wahrnehmung beeinflusst und bestimmte Gefühle und Emotionen hervorruft.

Das Bild mit dem Schirm hat viele Rhythmische Nuancen. Zu allererst sehen wir das große Dreieck – den hellen Unterrock, das dem oberen hellen Dreieck des Ausschnitts gegenüber liegt, dann die Ecken der Taille. Wir verspüren einen bestimmten Rhythmus… Wir sehen den Regenschirm, er unterbricht diesen Tanz der hellen Dreiecke und verschafft dem Bild die unglaubliche Dynamik.

Ja, eigentlich ist der Rhythmus eine sehr gute Sache im Bereich der Komposition, sowohl in Musik, als auch im Bild, aber ohne Unterbrechung oder sogar Störung wäre das Foto uns zu monoton und wir würden es einfach nur umblättern.


Verschlusszeit

Ich möchte unbedingt die Wirkung von der Langzeitbelichtung betonen. Wenn Sie sich die Ränder der Bekleidung und des Regenschirms genau ansehen, entdecken Sie die doppelte und dreifache Kontur. Höchstwahrscheinlich ist dies eine Bewegung des Modells während der Verschlusszeit.

Es ist spannend zu beobachten, wie Schwarz sich mit dem Hintergrund vermischt und verschiedene grün Töne aufweist. Die Grenzen zwischen kontrastierenden Elementen werden weicher, sie bekommen Gradient. Aufgrund dessen erhält eine vollständig geometrische Geschichte die Integrität und einen reibungslosen Übergang aller Verbundelemente von einem zum anderen.

Entdeckung

Zum Schluss bekam ich Lust, das Bild in Flecke und Linien zu trennen, so lässt sich die Geometrie besser betrachten. Ich erschrak ein wenig, als ich „Gaußscher Filter“ in Photoshop anwendete. Die Figur verwandelte sich plötzlich in eine strenge Dame mit Hosenanzug.
Ich bin überzeugt, dass unser Bewusstsein, auch ohne dieser Manipulationen wusste, dass etwas spannendes in dem Bild steckt.


Fazit: Frage der Zeit

Sarah Moon spielt mit dem Konzept der Zeit. Ich denke, das ist wichtig, um ihre Werke zu verstehen.
Es gibt einen solchen Ausdruck – „gefangener Augenblick“. Er wird oft in Bezug auf die Fotografie verwendet. Aber über die Fotografien von Sarah Moon zu sagen, dass sie den Augenblick gefangen hat, ist völlig unmöglich.
Durch eine lange Belichtung spricht Sarah Moon mit dem Betrachter über die Zeit. Sie hat diesen Moment begonnen und ihn bis Unmögliche ausgedehnt.
Es erscheint mir als wäre es eine Art Spiel mit Zeit und Raum, das Sarah Moon mithilfe dieser verschiedenen technischen Methoden erschafft.
Noch mehr Bilder von Sarah Moon kann man unter #sarahmoonphotografie auf Instagram oder im Internet finden und sich inspirieren lassen. Hier sind meine mysteriöse Lieblinge:

Regeln Brechen

Ich akzeptiere die Prinzipien und hasse die Regeln

Henri Cartier-Bresson

Für diese Beitragsreihe setze ich mir folgendes Ziel: Von den Besten lernen)) Denkt bitte an den Like!

Diesmal eine Aufnahme von Sebastião Salgado (1944). The Outskirts of Guatemala City 1978, aus der Reihe: “ Other Americas“. Dieses Bild wirft das ganze „ABC eines guten Fotos“, dass man im Internet finden kann, über den Haufen. Salgado nutzt die bekannte Regel des Framings auf eine völlig unvorstellbare Art.

Sebastião Salgado ist ein großartiger Fotograf. Ich empfehle jedem sein vielfältiges Werk entweder im Internet oder einem seiner vielen Bildbände anzuschauen.

#Komposition

Die Komposition teilt den Raum in zwei separate Universen. Dadurch entstehen tatsächlich zwei Bilder, die sich letztendlich dennoch zu einem Bild kombinieren. In der Mitte des Bildes erscheint auf den ersten Blick nichts Interessantes: Wir sehen Bretter, dem Betrachter wird der Blick auf die Welt dahinter verwehrt, auch wird das Bild dadurch in zwei Teile geteilt. Aber lassen wir unseren Blick zu beiden Seiten der Mitte schweifen, entdecken wir zwei Figuren, ein Mädchen im linken Teil des Bildes und eine Frau im rechten Teil und Dank des Blicks der Frau verbinden sich die zwei Teile zu einem gesamten Bild. Denn würde die Frau nicht zum Mädchen schauen sondern genauso wie diese direkt den Betrachter anschauen, würde dem Betrachter der Impuls fehlen seinen Blick zwischen beiden Personen wandern zu lassen. Die diagonale Blickrichtung der Frau bringt uns zum eigentlichen Schwerpunkt des Bildes – dem Mädchen.

#Glückstreffer?

Sebastião Salgado bezeichnet selber dieses Foto als einen Glückstreffer. Er wollte gerade die Frau im Fensterchen fotografieren, als ein Mädchen mit kandierten Äpfeln vorbei kam.
Sicher entstand nicht nur das eine Foto, sondern er machte einige Aufnahmen dieser Szene, aber ausgewählt hat er exakt dieses Foto. Nicht einfach so. Den Glückstreffer zu erkennen, bedarf viel Erfahrung, und um dabei die Regeln der klassischen Bildkomposition zu brechen bedarf es viel Mut.

Diesen Mut wünsche ich jedem, ob er Fotograf ist oder nicht.

Literatur:
Popular Photography Jan.-Nov. 1991
Vortragsreihe „Regie den Bildes“ Sasha Manovceva
Bild:
Internet

Noch nicht Teenager, aber auch kein Kind mehr

Eines Nachmittages kam meine große Tochter vorbei um nachzusehen was ich im Büro so mache. Als sie kam, bereitete ich gerade ein Fotoset für einen Wettbewerb vor.

Ja, gelegentlich lasse ich mir den Spaß nicht entgehen und nehme an solchen Veranstaltungen teil.

Ohne Aussicht auf eine positive Antwort, habe ich meiner Tochter vorgeschlagen, sie zu fotografieren. Völlig überraschend war sie plötzlich einverstanden und schaute gerne in die Kamera.

Ich schätze sehr diese „unsere“ Zeit zu zweit, wo nur ich und sie sind, in einer großen Familie ist immer was los. Diese, etwas melancholischen Bilder, erinnern mich an mich als ich zwölf Jahre alt war, obwohl nur wenige Fotos von damals habe.

Für meinen Wettbewerb habe ich die Fotos hinterher gemacht, meistens sind das Selbstportraits, die eine bestimmte Idee oder Emotion vermitteln sollen.

Da ich mittlerweile der Meinung bin, dass nichts zufällig passiert, habe ich entschieden zwei Fotografien von mir und von Ihr zu kombinieren. So entstand dieses Diptychon, ein zusammen geschweißtes Bild.